Tecnam P92: Italienerin vor der Linse

Letzte Woche hatte ich bei einem Besuch der Ultraleichtflugschule von Oliver Liedmann am Flughafen Kassel-Calden die Chance, eine ultraleichte Tecnam P92 Echo Super abzulichten. Grund für den Besuch war ein geplanter Bericht für den aerokurier, in dem es um gebrauchte Flugzeuge des italienischen Herstellers Tecnam gehen wird. Da das Wetter in Nordhessen besser war als vorhergesagt, haben wir die Chance für eine Air-to-Air-Session genutzt. Fotoplattform war eine ultraleichte C42 B. Was soll ich sagen: Die Bedingungen waren ideal und die beiden Piloten einfach fit auf ihren Geräten.

Das Wichtigste bei der so genannten Air-to-Air-Fotografie ist der Sichtkontakt zwischen dem Fotografen und dem Fotografierten. Sehen sich alle Beteiligten, ist es sicher. Im “Blindflug” hingegen steigt das Risiko einer Kollision sprunghaft. Das Fotoflugzeug gibt den Kurs an, der Fotografierte folgt und hält seine Position im Blickfeld des Fotografen. Außerdem: Nicht einfach drauf losfliegen, sondern der Fotograf sollte Wert auf ein ausführliches Briefing mit beiden Piloten legen. Unter anderem sind folgende Punkte zu besprechen: Frequenz, Kurs (abhängig vom Luftraum und dem Lichteinfall) und Geschwindigkeit. Hilfreich ist es zum Beispiel auch, Handzeichen zu vereinbaren, mit denen der Pilot dem Fotografierten klare Anweisungen gibt. Vor dem Start sollte man einen definierten Treffpunkt festlegen, falls man sich aus den Augen verliert. Ein spontanes “Wir treffen uns in 2000 ft am Sendemast” endet schnell damit, dass unterschiedliche Masten angesteuert werden :-)

Fotografisch geht’s um einen Kompromiss aus Belichtungszeit und Schärfe. Belichtet man zu kurz, steht der Propeller und das Bild wirkt statisch. Belichtet man zu lange, dreht zwar der Propeller, aber Unschärfen schleichen sich ein. Gerade im Ultraleichtflugzeug ist das ein Balance-Akt für den Fotografen. Es ist oft vergleichsweise eng im Cockpit und bedingt durch die geringe Masse “springt” das Flugzeug mit jeder Böe viel stärker als ein schwereres Motorflugzeug.

Die hier gezeigten Bilder sind überwiegend mit 1/250 sec. mit eingeschaltetem Stabilisator des Nikon AF-S 70-200 2,8 VR in Kombination mit der D700 entstanden. Der Propellerkreis könnte deutlicher sein, doch der Unterschied zu 1/200 sec. ist bei der Drehung kaum sichtbar, bei der Schärfe hingegen schon. Hätte ich wesentlich länger belichtet, wäre das Bild verwackelt, da ich mich in der C42 B ziemlich verrenken musste, um aus der offenen Fototür nach hinten zu fotografieren. Ein No-Go sind geschlossene Fenster. Das Bild wird durch die Kunststoffscheiben unscharf und matschig. Wohl dem, der einen schweren Koffer á la Do-27 als Fotoplattform nutzen kann. Dann steht auch der 1/125 sec. (oder länger) nichts mehr im Wege. Geht das nicht, gibt es noch einen Trick: Verfügt das fotografierte Flugzeug über einen Verstellpropeller, kann der Pilot auf Anweisung des Fotografen einfach die Drehzahl erhöhen. 

Ebenfalls Kompromisse sind bei der Geschwindigkeit gefordert. Fliegt man zu schnell, “flattert” das Objektiv bei geöffnetem Fenster im Wind, was zu Lasten der Schärfe geht. Fliegt man zu langsam, hängt das fotografierte Flugzeug mit ausgefahrenen Klappen wie die berühmte reife Pflaume in der Luft. 

Wenig zu sagen gibt’s zu den übrigen Kameraeinstellung. Der Autofokus verfolgt das Objekt im Modus “C” und verrichtet seine Arbeit von allein. Ich setze auf die Matrix-Belichtung mit gelegentlichen Korrekturen nach unten. Eine Kontrolle der Resultate während des Flugs empfiehlt sich ohnehin. Bei älteren Kameras wie zum Beispiel der D70 habe ich auch schon mal mittenbetont fotografiert. Der ISO-Wert sollte so niedrig wie möglich sein, allerdings kann man bei schwachem Licht zu Gunsten einer kleineren Blende und mehr Schärfentiefe auch mal auf Werte um ISO 400 hochgehen.  

Noch ein Tipp: Bitte nicht einfach nachfliegen. Air-to-Air-Fotografie benötigt ein ganzes Stück an Erfahrung seitens der Piloten und des Fotografen. Am Anfang lieber mit genügend Sicherheitsabstand üben und beim geringsten Zweifel an der Flugsicherheit das Vorhaben abbrechen.

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Datum: Sonntag, 22. Februar 2009 18:12
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