Nikon legt nach: Das neue AF-S 70-200 2,8 VR II
Das AF-S 70-200 2,8 VR II ist das neue Nikon-Topmodell unter den gemäßigten Tele-Zooms. Angekündigt im Sommer 2009, ist es seit einigen Wochen nun (endlich) am Markt verfügbar. Ein näherer Blick soll klären, ob das Neue den hohen Erwartungen der Nikon-Fans gerecht wird.
Eines vorweg: Ich stelle nicht den Anspruch, hier einen wissenschaftlich fundierten Testbericht zu liefern. Dazu habe ich weder die technischen Möglichkeiten noch die nötige Zeit. Dennoch möchte ich kurz und knapp ein paar persönliche Eindrücke nach den ersten Einsätzen dokumentieren.
Im Vergleich zum „alten“ 70-200 VR ist das Neue ein Stück kürzer, gleichzeitig aber dicker geraten. Was fehlt, ist die goldene Plakette. Laut Nikon wurde die Optik komplett neu gerechnet und verfügt jetzt über 21 Linsen in 16 Gruppen, davon sind sieben Linsen aus ED-Glas und „einige“ (Zitat Nikon) mit einer Nanokristallvergütung versehen. Mit gut 1,5 kg Gewicht ist das Zoom kein Leichtgewicht, aber das war ja schon beim Alten so. Die Streulichtblende HB-48 fällt kleiner aus als beim Vorgängermodell.
Doch was war der Grund für mich, aufs Neue umzusteigen? In erster Linie waren es die kleinen Schwächen, die das alte Objektiv am Vollformat-Sensor der D700 an den Tag legt. Oft gab’s leichte Abschattungen in den Ecken, außerdem gab es sich gerne mal zickig bei Gegen- oder Seitenlicht. Ausschlaggebend für den Kauf waren letztlich Vergleichsfotos im Internet, die dem neuen Modell in erster Linie eine wesentlich bessere Schärfe vor allem in den Randbereichen attestieren. Da das Alte weiterhin einen guten bis sehr guten Wiederverkaufswert hat, habe ich beschlossen, den Umstieg zu wagen.
Hat es sich gelohnt? Ich würde sagen, ja! Das AF-S 70-200 2,8 VR II ist scharf bis in die Ecken, ist kontrastreich und kommt mit fiesem Licht besser klar als der Vorgänger. Der Stabilisator arbeitet wie beim Vorgänger zuverlässig, laut Nikon soll noch eine Blendenstufe zusätzlich drin sein.
Was ich bisher ausprobiert habe:
- Ein Rundgang über den Weihnachtsmarkt in Ahrweiler. Hier hat sich das Objektiv bei trübem „ISO-400-Wetter“ gut geschlagen. Es lässt sich erwartungsgemäß gut mit der Tiefenschärfe spielen.
- Ein paar belanglose Testaufnahmen von Gebäuden bei verschiedenen Brennweiten mit verschiedenen Blendenstufen. Um ehrlich zu sein: Es lohnt sich kaum, das hier zu veröffentlichen und auszuwerten.Testbilder dieser Art bieten das Web und die Fachpresse genug, veröffentlicht von Leuten, die einen ernsthaften Versuchsaufbau dafür gemacht haben.
- Porträtfotos unserer Kinder: Hier steht das AF-S 70-200 2,8 VR II dem AF 85 1,8 D qualitativ kaum nach. Vereinzelt wird im Internet Kritik laut, das Bokeh sei weniger schön als beim Vorgänger. Eine These, die ich so nicht bestätigen kann. Die Naheinstellgrenze liegt laut Nikon bei 1,4 m über den gesamten Brennweitenbereich. Zum Vergleich: Beim Nikon AF 85 1,8 D liegt sie bei 85 cm, das ist natürlich besser für Porträts.
- Test der wahren Brennweite: Ja, es stimmt, dass das neue 70-200 im Nahbereich weniger Brennweite hat als sein Vorgänger. Es dürften im Nahbereich deutlich weniger als 200 mm sein.
Es bleibt der Preis. Der Hersteller nennt als UVP von 2499 Euro. Bestellt habe ich es bei wexcameras.de für 2056 Euro inklusive Versand und natürlich europäischer Garantiekarte. Nachdem ich die alte Linse zum guten Kurs verkaufen konnte, war der Upgrade-Preis somit erträglich.
Fazit: Das AF-S 70-200 2,8 VR II ist ein tolles Tele-Objektiv, das vor allem an Vollformat-Sensoren seine Stärken ausspielt. Wer das alte Modell besitzt, muss allerdings nicht zwingend upgraden – gut sind sie beide. Allerdings ist das Bessere des Guten Feind, so dass vor allem FX-Fotografen über ein Upgrade nachdenken sollten. Als Vorteil des Neuen sehe ich die besseren Eigenschaften in punkto Vignettierung (Randabschattung) und die bessere Abbildungsleistung in den Randbereichen. Etwas schade ist, dass im Nahbereich keine echten 200 mm Brennweite zur Verfügung stehen.
Weblinks: