Neue Begleiterin: Wie ich zur Canon G11 kam
Als Immer-Dabei-Kamera habe ich mir die Tage eine Canon G11 gekauft. Die D700 ist eine geniale Kamera, keine Frage. Aber sie ist schlicht und ergreifend zu groß, um sie immer dabei zu haben. Irgendwo im Netz habe ich ein Zitat aufgeschnappt, das den Nagel auf den Kopf trifft: “Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.” Stimmt. Denn was hilft die D700, wenn sie zu Hause liegt, weil sie zu schwer ist?
Kurzum, für den Alltag musste eine Kompakte her. Die Auswahl auf diesem Markt ist riesig und ich habe mich entsprechend schwer getan, die passende Kamera zu finden. Die meisten Geräte sind zwar klein, ihre Bildqualität überzeugt mich aber nicht. In die nähere Auswahl kamen schließlich die Canon S90, Samsung EX1 und die Canon G11. Mit allen dreien habe ich gespielt und folgendes Urteil gefällt.
Canon S90: Sicher, die Kamera macht gute Fotos. Aber sie ist für meine Hände schlicht zu klein. Alles ist winzig, das Drehrad am Objektiv wirkt wackelig. Das Fotografieren damit würde mir keinen Spaß machen. Zwar passt sie in jede Hosentasche, aber so klein muss ich es nun wirklich nicht haben. Zwischenzeitlich ist übrigens die Nachfolgerin S95 vorgestellt worden, die HD-Videos drehen kann und eine bessere Haptik bieten soll.
Samsung EX1: Mit ihr habe ich ein paar Testfotos geschossen. Ein Kritikpunkt ist, dass ihre kürzeste Belichtungszeit auf 1/1500 sec. begrenzt ist. Das bedeutet, dass man bei Sonnenschein mit geschlossener Blende arbeiten muss. Das letzte bisschen Potenzial, das eine Kompaktkamera zum Freistellen eines Motivs bietet, ist damit verspielt. Das Bild wird also zwangsläufig von vorn bis hinten scharf – schlecht zum Beispiel für Porträts. Außerdem empfand ich 70 mm Brennweite am “langen Ende” als etwas zu wenig. Die Bilder sind schön, wenn ich auch eine Tendenz zur Überbelichtung festgestellt habe. Für die EX1 sprechen die tolle Verarbeitung, das geniale, hoch auflösende Klappdisplay und natürlich das mit 1:1,8 sehr lichtstarke Objektiv.
Canon G11: Letzten Endes machte Canons Edel-Kompakte das Rennen. Sie hat mit 28-140 mm einen alltagstauglichen Brennweitenbereich und ist mit einem einigermaßen lichtstarken Objektiv (1:2,8-1:4,5) ausgestattet. Die Bildqualität geht bis ISO 800 in Ordnung, einzig die Verzeichnung im Weitwinkelbereich stört. Einer Spiegelreflex kann sie nicht das Wasser reichen, aber sie kommt schon ziemlich nah dran. Die Bedienung gefällt mir, so muss sich halt eine Kamera anfassen. Man hat die Freiheit, alles einzustellen, kann aber auch einfach den grünen Automatikmodus nutzen. Nützlich ist die Möglichkeit, im raw-Modus zu fotografieren, denn somit habe ich alle von der D700 gewohnten Möglichkeiten der Nachbearbeitung. Praktisch für neue Blickwinkel ist das Klappdisplay, das jedoch nicht ganz so brilliant und hochauflösend ist wie das der Samsung.
Einige Kritikpunkte kann ich mir aber auch bei der G11 nicht verkneifen. Die Kamera belichtet recht großzügig, so dass man manuell stets mindestens eine Blendenstufe nach unten korrigieren sollte. Der Videomodus hat nur VGA-Auflösung – ausprobiert habe ich die Videofunktion genau aus diesem Grund noch nicht. Außerdem ist die G11 kein Wunder an Geschwindigkeit, sowohl bei den Serienbildern als auch beim Autofokus gibt sie sich etwas träge. Hier und da gibt es Ungereimtheiten bei der Software: Warum kann ich im grünen Automatikmodus keine raw-Dateien speichern? Warum ist die längste Belichtungszeit auf 15 sec. beschränkt? Für Nachtaufnahmen dürfte es ruhig länger sein. Warum kann ich für die ISO-Automatik keine maximale Empfindlichkeit festlegen? Ebenfalls schade: Warum verwendet Canon ein das exotische Bildformat 4:3 statt sich an den Standard 3:2 zu halten? Somit müssen alle Fotos beschnitten werden, bevor sie auf handelsübliche Abzugsformate (wie etwa 20×30 cm) passen.
Auch wenn der Nachfolger der G11 Gerüchten zu Folge bereits in den Startlöchern steht, hat die G11 für mich das Rennen gemacht. Ich wollte die Kamera jetzt haben und nicht auf ein virtuelles Kaufdatum im Herbst spekulieren. Wenn die G12 tolle neue Features bringen sollte, dann gibt es ja immer noch die Möglichkeit eines Verkaufs der G11.
Update: Nach der Vorstellung der Nikon P7000 hat die G11 nun schneller als erwartet ihren Besitzer gewechselt. Sobald ich sie habe, werde ich über die neue Kompakte berichten. Ich kann die raw-Dateien aus der Nikon einfach besser verarbeiten, da ich Capture NX2 einfach eine geniale Software ist. Außerdem ist die P7000 kompatibel zum Nikon-Blitzsystem.

