Tragschrauber: Ultraleichte Spaßmacher
In den letzten Wochen habe ich mich beruflich verstärkt mit Tragschraubern beschäftigt. Fazit nach ein paar Mitflügen und vielen Fotos: Die ultraleichten Drehflügler bereiten richtig viel Freude!
Keine Frage: Wenn es irgendwo noch ein kräftiges Wachstum in der Allgemeinen Luftfahrt in Deutschland gibt, dann bei den Tragschraubern. Rund 100 Stück wurden im vergangenen Jahr allein in Deutschland neu zugelassen. Die Drehflügler fallen in die Kategorie der Luftsportgeräte, dürfen also mit einer entsprechenden UL-Lizenz geflogen werden.
Technisch gibt es einen entscheidenden Unterschied zum Hubschrauber: Der Rotor eines Gyrokopters ist nicht angetrieben. Für Vortrieb sorgt der Druckpropeller im Heck, angetrieben von einem 100 bis 115 PS starken Rotax-Motor. Durch die Vorwärtsfahrt dreht der Rotor im Fahrtwind und produziert Auftrieb. Um diese Autorotation anzustoßen, wird der Rotor vor dem Start mit Motorkraft auf Drehzahl gebracht. Sobald der Tragschrauber rollt, greift der Fahrtwind unter den Rotor und die Physik tut ihr Übriges.
Und wie fliegt sich das Ganze? Zugegeben, anfangs war ich skeptisch. Diese Skepsis hat sich nach einem Mitflug gelegt. Im Grunde ist so ein Gyrokopter nicht schwieriger als ein Flächenflugzeug zu bewegen. Steuerausschläge haben zunächst mal den gewohnten Effekt. Einzig das Schütteln des Rotors im Knüppel und die langsamere Vorwärtsfahrt erinnern daran, dass man im Tragschrauber sitzt.
Ein paar Besonderheiten gibt es allerdings schon. Das beginnt schon beim Starten, denn die Bewegungsabläufe dabei unterscheiden sich deutlich von denen in einem Flächenflugzeug. In der Luft wird dann schnell klar, dass ein Tragschrauber zwar sehr langsam fliegen, aber nicht in der Luft stehen bleiben kann – das würde dem Prinzip der Autorotation widersprechen. Punktgenaue Landungen mit kurzen Rollstrecken sind demzufolge kein Problem. Etwas knifflig wird’s beim Rollen: Wenn die Kreiselkräfte des Rotors ins Spiel kommen, kann es kippelig werden. Das übt man während der Ausbildung.
Am Flugplatz Bonn/Hangelar hatte ich die Chance, offen in der MTOsport und geschlossen in der Calidus mitzufliegen. Beide Tragschrauber stammen vom Hildesheimer Hersteller AutoGyro. Für einige Berichte im aerokurier habe ich bei dieser Gelegenheit Fotos gemacht, die in der Galerie zu sehen sind und vielleicht einen ersten Eindruck vermitteln.
Übrigens: In Bonn/Hangelar beklagen Interessengruppen den Lärm durch Tragschrauber. Richtig ist, dass Tragschrauber anders klingen als ein herkömmliches Flugzeug. Objektiv lauter sind sie sie indes nicht – sondern leiser. 61,8 dB(A) hat ein aktueller MTOsport im Kennblatt stehen, das ist viel weniger als die Lärmwerte der meisten Motorflugzeuge.