Rügen: “Merkwürdige Insel” mit Charme

Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Rügen und ich – das ist die Geschichte einer nicht immer glücklichen Urlaubsbeziehung.

Endlich Urlaub! Rügen. Ostsee, Strand, Sonnenschein. Jappa Dappa Du! Und dann das: Wir legen einen fulminanten Fehlstart hin. Nach zehn Stunden Fahrzeit mit zwei Kindern an Bord stehen wir auf der letzten Meile eine gute Stunde im legendären Insel-Stau. Die Autogas-Tanke verweigert die Annahme der EC-Karte und dann bleiben die Fahrräder auf dem Dachgepäckträger schließlich noch am Torbogen bei der Einfahrt zum Grundstück der Ferienwohnung hängen (selbst Schuld, ich weiß). Die Wetteraussichten: Mehr als bescheiden. Was soll aus so einem Urlaub bloß noch werden?

Ich schmolle, nenne Rügen nur noch die „merkwürdige Insel“ und lasse die große Nikon unangetastet. Wenn wir uns auf den Weg machen, um die Insel zu erkunden, nehme ich nur die kompakte P7000 mit. Zumindest das mit der kleinen Cam halte ich die gesamten zwölf Tage eisern durch.

Schnell steht fest: Prora hat’s mir noch am ehesten angetan. Der als KdF-Bad geplante Gebäudekomplex hat’s in sich. Nein, schön ist diese mehrere Kilometer lange NS-Urlaubsfabrik nicht. Eher banal. Hässlich. Aber ein Ort, an dem die Geschichte pulsiert. Architekt war der Kölner Clemens Klotz – „der Name ist Programm“ schrieb vor einigen Jahren der Redakteur einer lokalen Tageszeitung, dessen Artikel es sogar ins Museum geschafft hat. Der Komplex ist nie seiner Bestimmung als Urlaubsparadies übergeben worden. Mit dem Krieg kam der Baustopp. Während des Kriegs wurden dort unter anderem Funkmädchen ausgebildet. Später wurde Pora zur NVA-Kaserne, die dann von den Bundeswehr recht schnell aufgegeben wurde. Heute verfällt der Komplex mit Ausnahme der Jugendherberge und der Museen zunehmend. Richtig schön ist dagegen übrigens der Strand, der sich hinter den Gebäuden versteckt.

Vielleicht macht genau der langsame Verfall jenen Charme aus, den ich fotografisch unbedingt festhalten wollte. Denn wider Erwarten habe ich dann doch fleißig „draufgehalten“. Zugeben, die Bilder sind nicht sonderlich anspruchsvoll, aber mit der entsprechenden Bearbeitung finde ich sie ganz gelungen. Dankbare Motive gibt es auch im NVA-Prora-All-in-One-Museum, ein schrullig-liebevolles DDR-Sammelsurium in einem der Gebäude. Ein wenig ernster geht es in der Dokumentationsstätte Prora zu.

Und sonst? Rügen hat nette Ecken. Es ist schön, mit dem Rasenden Roland von Dorf zu Dorf zur Endstation in Göhren zu fahren. Es gibt eine tolle Fischräucherei in Juliusruh. In Seedorf kann man wunderbar spazieren gehen. Die Schaabe gehört zu den wirklich sehenswerten Stränden.

Aber Rügen kann auch abschrecken. Parkplätze in Binz sind ebenso knapp wie teuer, die Restaurantpreise sind gehoben und der Service lässt (nach unserer Erfahrung) zu wünschen übrig. Wie entspannt geht es dagegen im gastfreundlichen Sellin oder in Sassnitz zu.

Apropos Sassnitz: Dort gibt es noch authentische Gebäude aus DDR-Zeiten. Alt, grau, hässlich – und so wunderbar fotogen! Ebenso wie der Sonnenuntergang am Großen Jasmunder Bodden an einem der letzten Abende. Auch Kap Arkona kann man sich durchaus ansehen und die rund 200 Stufen hinab zu Strand steigen.

Rügen, wir kommen wieder? Ich weiß es nicht. Vor Ort habe ich mich oft und mit Leidenschaft geärgert. Beim Betrachten der Bilder bekomme ich nun wieder Lust auf die Insel.

So viel ist zumindest aus fotografischer Sicht klar: Die P7000 hat ihren Job wirklich gut gemacht. Ich fotografiere mit der Kleinen nur im raw-Format und halte mir somit noch alle Möglichkeiten der Nachbearbeitung mit Lightroom offen.

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Datum: Freitag, 5. August 2011 19:14
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Ein Kommentar

  1. 1

    Mal nicht die typischen Rügen-Bilder von Strand und Sonne zu sehen hat definitiv auch seinen Reiz!

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